olim Admont

Die Auflistung der Handschriften der Stiftsbibliothek Admont auf manuscripta.at enthält auch für die zahlreichen in der Zwischenkriegszeit verkauften Handschriften Angaben zu den aktuellen Aufbewahrungsorten, soweit diese bekannt sind. Bei der Vorbereitung meines Vortrages für die Tagung „Klösterliche Handschriften- und Buchverkäufe in der Zwischenkriegszeit“, die am 16. und 17. April 2018 in Wien stattfindet, bin ich nun auf einige ehemals Admonter Codices gestoßen, für die man sich bisher mit der Angabe „Verbleib unbekannt“ begnügen mußte.

Zunächst aber eine sehr erfreuliche Aktualisierung der Liste, die ich einer Mitteilung von Christopher de Hamel verdanke: Admont besaß eine beachtliche Anzahl romanischer Blindstempeleinbände, von denen sich heute nur noch Cod. 415 im Kloster befindet. Unter den verkauften Bänden ist Cod. 413 (Beschreibung im Katalog von Jakob Wichner), der – wie auch viele andere Handschriften des Klosters – 1935 von Ernst Philipp Goldschmidt erworben wurde; er gelangte im selben Jahr in den Besitz von John Henry Montagu Manners, 9th duke of Rutland und befand sich bis 2005 im Besitz der Familie in Belvoir Castle (bei Grantham), wo der Codex so gut wie unzugänglich war[1].

Belvoir Castle (Ct. Rutland, England) (Photo Jerry Gunner/Wikipedia, CC BY 2.0)

2006 konnte das British Library die Handschrift als Ablöse für Erbschaftssteuer erwerben; sie trägt nun die Signatur Add. MS 82947 und ist vollständig digitalisiert.

London, British Library, Add. MS 82947 (olim CAd 413), Vorderdeckel

 

Folgende Handschriften, für die auf manuscripta.at [eingesehen am 15.4.2018] kein aktueller Aufbewahrungsort angegeben ist, sind nun ebenfalls lokalisierbar:

CAd 401 (Wichner)
gehört zu den von E. P. Goldschmidt erworbenen Handschriften; sie ist seit 1936 in der Bodleian Library in Oxford, MS. Lat. hist. e. 1.

CAd 439 (Wichner)
Für diese Handschrift ist zutreffend Oxford als Aufbewahrungsort angegeben; allerdings ist die Signatur der Bodleian Library zu korrigieren: sie lautet richtig MS. Lat. misc. d. 68. Auch diese Handschrift wurde 1936 von E. P. Goldschmidt erworben.

CAd 478 (Wichner)
Der Codex wurde 1938 an das Antiquariat Brecher in Brünn verkauft; 1951 verkaufte der Antiquar William H. Allen in Philadelphia die Handschrift an die dortige University of Pennsylvania Library, wo sie in der Medieval and Renaissance Manuscripts Collection als Ms. Codex 615 (eine ältere Signatur lautete Ms lat. 26) verwahrt wird. Die Handschrift, die einen interessanten Pergamenteinband trägt, den Planctus naturae des Alanus von Lille überliefert und 1365 von einem Johannes de Polna geschrieben wurde, ist vollständig digitalisiert[2].

f. 54v mit Schreibervermerk und dem oft überlieferten Epitaphium Alani (Walther, Initia Nr. 727)

CAd 637 (Wichner)
Die Handschrift wurde durch die Bodleian Library 1936 von E. P. Goldschmidt erworben und trägt heute die Signatur MS. Lat. misc. d. 66.

Eine Ergänzung ist schließlich zu CAd 712 (Wichner) anzubringen: dieser Codex befindet sich auch heute noch in Admont, allerdings vermindert um die fol. 119-126, die aus der Handschrift herausgelöst wurden. Die Blätter enthalten eine Überlieferung der Gesetze König Stephans I. von Ungarn und befinden sich seit 1935 als Cod. lat. 433 in der Széchény Bibliothek in Budapest.

 

[1] Vgl. etwa Friedrich Adolph Schmidt-Künsemüller, Die abendländischen romanischen Blindstempeleinbände (Stuttgart 1985) 122 Nr. 70: „Die Beschreibung dieses Einbandes ist unvollständig, da es nicht möglich war, nähere Angaben und ein Foto des Vorderdeckels zu erhalten.“ Auch ich habe mehrere vergebliche Versuche unternommen, die Handschrift einsehen zu dürfen.

[2] Die online verfügbare Beschreibung nennt die Admonter Provenienz nicht, die aber wegen des auf dem Rücken aufgeklebten alten Signaturenschildes unzweifelhaft ist; die Angabe „Formerly owned by Z(entral-) Stelle f(ür) Denkmalschutz“ ist irrig; der Stempel im Hinterdeckel bezieht sich auf die Erteilung der Ausfuhrbewilligung durch das Österreichische Bundesdenkmalamt.
Update 2.9.2018: Die Onlinebeschreibung im Katalog ist aktualisiert; hier gibt es einen von Amey Hutchins (Manuscripts cataloging librarian at the Schoenberg Institute for Manuscript Studies) verfaßten Blogbeitrag über die Identifizierung der Handschrift.

Dieser Beitrag wurde unter Bibliotheksgeschichte abgelegt und mit , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.